Der geistliche Hintergrund

Der geistliche Hintergrund des Petrus Modelles und das Verhältnis des ltd. Pfarrers , der übrigen Priester und hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den „Akteuren des Evangeliums“

Liebe Schwestern und Brüder von Sankt Marien, wir haben nun schon einiges über den geistlichen Hintergrund des Petrus-Modelles, über die Gemeindeequipe, die Aufgaben der Beauftragten und des Moderators und das Verhältnis der Equipe zum PGR gehört.

Und vielleicht ist uns schon deutlich geworden, dass wir es hier nicht nur mit einer Strukturveränderung zu tun haben, sondern dass es um eine echte Gemeindeerneuerung geht, um echte Glaubensvertiefung, um die Vision einer gastfreundlichen, offenen, den Menschen zugewandten Gemeinde, in der es keine Laien gibt, sondern in der alle ihre Berufung als getaufte und gefirmte Christinnen und Christen wahrnehmen. Es geht darum, jeder Christin, jedem Christen, die Möglichkeit und die Fähigkeit zu geben, aus seiner bzw. ihrer Taufe heraus vom Evangelium ein Zeugnis zu geben und für die Qualität des kirchlichen Lebens zu sorgen. Die Zugehörigkeit zur Gemeinde hängt nicht von Aufgaben ab, die erfüllt werden. Sie beinhaltet für jeden die Chance zu hören, was Gott in meinem Leben vorhat, und auf diesen Ruf zu antworten. Wir möchten Sie ermutigen, den Glauben auf neue Weise zu bezeugen.

Es geht um eine Kultur des Vertrauens, eine Kultur des Rufens, eine Kultur der Gastfreundschaft und um eine Pastoral der Nähe. Welche Rolle hat der Priester, vornehmlich der leitende Pfarrer in diesem Gemeindeverständnis und welche Rolle haben die übrigen Priester und hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Zunächst einmal zur Rolle des Pfarrers:

Der Pfarrer hat im Petrusmodell den Petrusdienst zu verrichten, also den Dienst an der Einheit der Gemeinde. Seine Aufgabe ist es, mitzuhelfen, dass die verschiedenen Charismen der Menschen in seiner Gemeinde zur Entfaltung kommen, ohne sich gegenseitig zu behindern oder zu blockieren. Er hat die Aufgabe zu schauen, ob auch die am Rand Stehenden sich einbringen können in die Gemeinde. Er ist erst einmal Seelsorger (und sollte Zeit für die Schwachen und Marginalisierten haben).

Seine Seelsorge sollte darauf ausgerichtet sein, dass die Menschen ihre Charismen entdecken und aus ihren Energien heraus leben. Zugleich sollte sie helfen, dass jeder in sich auch das Schwache annehmen kann und dadurch ein Mensch wird, der nicht mehr ausgrenzen muss. Und schließlich sollte sie helfen, dass Menschen nicht in den Wahn verfallen, alles selber leisten zu müssen, sondern sich als Teil des Leibes Christi begreifen und lernen mit den anderen Gliedern zu kooperieren. Er ist nicht der Kopf dieses Leibes, sondern eher ein Aktivator für dessen Selbstheilungskräfte.

Er ist nicht der Organisator und Manager der Gemeinde, aber er gibt denen, die das Charisma des Organisierens und Managens haben, Raum zur Entfaltung. Und all das tut er nicht aus eigener Kraft, sondern aus einer tiefen Christusbeziehung heraus, die bei ihm nicht tiefer sein muss als bei anderen, die aber bei ihm das konstitutive Erkennungsmerkmal seines Amtes ist, so dass er sie auch auf reflexer Ebene pflegen muss. Das gilt auch fĂĽr die anderen Priester.

Der Pfarrer wird also zum Diener der Gemeinschaft, zum Bindeglied zwischen Personen und Gruppen. Er sorgt mit den übrigen Priestern für die Feier der Sakramente. Er fördert mit ihnen den missionarischen Geist, in dem er den Glaubenden dabei hilft, ihren Glauben miteinander zu teilen und mitten in der Gesellschaft zu leben.

Er ist verantwortlich für den Frieden in der Gemeinde und wird mit den anderen hauptamtlichen Priestern und Mitarbeitern Konflikte, die sich in den Gemeinden ergeben, zu regeln versuchen. Er achtet darauf, dass sich eine Gemeinde nicht nur mit sich selbst beschäftigt, sondern offen ist für das, was um sie herum geschieht. D.h. er wird Sorge dafür tragen zusammen mit den anderen Hauptamtlichen, dass es keinen Separatismus in den Gemeinden gibt und die Gemeinden nicht sektiererisch werden. Er erinnert die Gemeinden daran, dass Kirche kein Selbstzweck ist, sondern dass sie das Reich Gottes fördern soll.

Wichtig ist, dass der leitende Pfarrer nicht mehr im Zentrum dessen steht, was möglich ist, sondern der Gemeinde gegenüber als derjenige, der bestärkt, zuweilen auch tröstet und unterstützt, der Grundlagen schafft, bei der Unterscheidung der Geister hilft, der ruft oder auch begleitet. Es geht also um ein neues Miteinander von Priestern, HA und Getauften.

Der Pfarrer überträgt Aufgaben im Vertrauen an die Equipes, die sie selbständig wahrnehmen. Er wacht auch darüber, dass es keine einseitigen Machtmonopole gibt, keine Form „laikalen Klerikalismus“.

Zusammen mit den anderen Priestern ist er verantwortlich fĂĽr die Spendung der Sakramente und steht der Eucharistie vor. Er wird alles tun, um die Equipes in ihrer Arbeit zu unterstĂĽtzen. Er bleibt der Letztverantwortliche fĂĽr die Pastoral. Und er bleibt -das ist staatkirchenrechtlich vorgegeben- der Vorsitzende des KV.

Das Hauptamtlichenteam unterstützt mit dem Pfarrer die Arbeit der Equipes, begleitet die Leiter/innen der Bereiche in ihrer Arbeit, motiviert und qualifiziert sie bei Ihrer dreijährigen Tätigkeit.

Auch sie helfen, bei der Unterscheidung der Geister und tragen dazu bei, dass die Charismen sich entfalten können. Sie erinnern die Eqipes auch immer wieder an die Verantwortung, die sie mit der Berufung und Beauftragung übernommen haben.

Darüber hinaus gibt es Querschnittsaufgaben - wie zum Beispiel die Leitung des Familienzentrums, überpfarrliche Aufgaben, die von ihnen übernommen werden (Ökumene, interreligiöser Dialog, Seniorenpastoral, geistliche Begleitung in Exerzitien im Alltag, Ministranten und Jugendarbeit, Stadtteilarbeit), die neben der Gemeinde bezogenen Arbeit der Equipes getan werden müssen.

Bleibt noch ein Blick auf die so genannten „Folgedienste“ im Petrusmodell zu werfen: das sind die Organisten , die Sekretärinnen in den Pastoral- und Gemeindebüros, die Küster und Hausmeister :

Das Miteinander und Zueinander wird sich entwickeln müssen. Bedarfe an Gespräche und Absprachen werden sich mit den Equipes ergeben und im Rahmen der Arbeitszeiten wird es zu gemeinsamen Treffen kommen, wenn das erforderlich ist.

All das kann nur gelingen, wenn wir alle wohlwollend miteinander umgehen, wenn wir einander vertrauen und aufhören, alte Klischees weiter zu pflegen. Es kann und wird gelingen, wenn wir es als geistlichen Prozess der Gemeindeerneuerung verstehen.

von Pfarrer Raimund Blanke

Quellen: Klaus von Stosch und Giselle Bulteau