ZeitGedanken

Impulse der Equipe Marien und anderer

Impuls 43


Impuls 42

Gebet

Sie alle verharrten einmütig im Gebet zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern“ (Apg 1,14).

Die Zeit zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten ist in der Kirche seit jeher eine Zeit des Gebets. Doch gerade bei den Dingen, die gleichsam zum Grundvokabular unseres Glaubens gehören, lohnt es sich, manchmal genauer hinzuschauen – was ist das eigentlich, Gebet? Und wie geht das?

Beten ist nichts anderes als „Sprechen mit Gott“. Wir alle wissen, dass Beziehungen, Freundschaften, Ehen, in denen man nicht mehr miteinander spricht, langsam austrocknen – Gespräche sind Beziehungspflege. Auch die wichtigste Beziehung – die zu dem, der mich erschaffen hat – braucht diese Pflege, braucht den Austausch. Die frühe Kirche wusste das – die Apostel „zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu“, ließen den Herrn nach seiner Himmelfahrt nicht etwa einen guten Mann sein, sondern „verharrten einmütig im Gebet“, wie es in der Apostelgeschichte heißt – sie öffneten ihre Herzen für den, der unter ihnen gelebt hatte und der ihnen seinen bleibenden Beistand versprochen hatte.

„Verharren“ und „einmütig“ – das scheinen mir zwei Grundkonstanten des Betens zu sein. Was ist damit gemeint?

Zunächst „verharren“. Ein Bild, das mir hierfür immer gut gefallen hat, ist folgendes: Mit dem Gebet ist es wie mit einem Pfad durch eine dicht bewachsene Wiese – wenn er länger nicht begangen wird, wuchert er zu. Ich muss „auf ihm verharren“, treu bleiben, ihn regelmäßig gehen, auch wenn ich manchmal keine Lust habe. Was heißt das für das Gebet? Es hilft, feste Zeiten des Gebets zu halten – zum Beispiel morgens für fünf oder zehn Minuten. Hier können wir unsere Beziehung zu Gott, dem Urgrund unseres Seins, ganz konkret werden lassen, indem wir mit ihm sprechen! Worüber? Über das, was uns bedrückt oder freut, über das, was an diesem Tag ansteht – wie ich eben mit einem Freund auch spreche. Und damit das Gebet kein Monolog wird, ist es wichtig, dem Herrn Raum zu geben, um mir zu antworten. Es ist also gut, eine Zeit des Gebets in Stille zu halten.

Und was ist mit „einmütig“ gemeint? Damit meine Beziehung zu Gott quasi „objektiviert“ wird, ist es genauso wichtig wie das persönliche, individuelle Gebet, wenn ich den reichen Gebetsschatz meiner Schwestern und Brüder aus Vergangenheit und Gegenwart mit ihnen teile. Christ bin ich nie allein, folglich sollte auch mein Gebet nie ausschließlich individualistisch sein. Das regelmäßige Gebet des Vaterunsers, der Psalmen, des Rosenkranzes, die betrachtende Lektüre der Heiligen Schrift usw. verbindet mich mit allen, die vor mir und nach mir Freunde Gottes sind – und sie helfen mir, dass ich Christus nicht verliere, der eben ein konkreter Mensch (gewesen) ist und eine konkrete (Heils-) Geschichte durchlebt hat.

Nutzen wir die Zeit vor Pfingsten und darüber hinaus, unser Gebetsleben einmal abzuklopfen – denn das Schöne ist: Ich kann jeden Tag neu anfangen, Gott in meinem Leben Raum zu geben!

Florian Leibold




Da bin ich.

„Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend. Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen. So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm die Buchrolle des Propheten Jesaja.

Er rollte sie auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.

Dann rollte er die Rolle zusammen, gab sie dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“ (Lukas 4,14-21)

 

Jeden Tag melden sich neue Heilsbringer, selbst ernannte Messiasse, allesamt Retter in höchster Not.
Man redet uns ein, wir wären in Not und alles wäre ohne sie ganz schrecklich.
Sie versprechen uns Hilfe und Unterstützung, Lösung unserer Probleme, Absicherung im Alter.
Sie beantworten Fragen, die wir nicht gestellt haben, sie versprechen alles und halten nichts.
Natürlich gibt es Probleme, große Probleme, es ist an der Zeit, sich Sorgen zu machen.
An uns ist es, die Hände aus dem Schoß zu nehmen, großmäulige Verkünder als solche zu erkennen.
Sie umhüllen uns mit falscher Heilsgewissheit, lullen uns ein mit wohligen Versprechen.
Alles ist geregelt, versichert, besorgt, die Hauptsache ist, wir bezahlen.
Du setzt dich in die Synagoge und sagst: Da bin ich!
Ob wir den Unterschied erkennen zu den großkopfigen Politikern unserer Tage?
Zu den heißen Winden und leeren Luftblasen, zu den vielen kostenträchtigen Nichtsen?
Jesus setzt sich in die Synagoge und sagt: Da bin ich!
Keine Hektik, kein Aktionismus, nichts ist verloren, alles wird neu möglich.
Du setzt dich in die Synagoge und sagst: Da bin ich!
Und da sind die Armen, die Blinden, die ohne Hoffnung.
Du sprichst uns an und wir spüren die Schwingungen: Ich bin gemeint!

 

Prof. Dr. Heinz-Josef Fabry, Bonn





Impuls 41


Impuls 40

Die Frage nach Gott

Dieser Tage werben die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn und das Mentorat der Theologiestudierenden in Bonn für das Theologiestudium und bieten interessierten Schülerinnen und Schülern per Videokonferenz Gespräch und Austausch an.

Ihre Botschaft lautet einfach und klar:
Die Frage nach Gott lohnt sich,
weil bei Ungewissheit einfache Antworten nicht weiterhelfen,
aber auch
weil Werte systemrelevant sind.

Mehr zur Aktion und weitere Gründe unter: https://www.instagram.com/p/CABVW8BClax/.

Irmgard Hansen und Dominik Arenz, Equipe Marien




Himmelfahrt – zwischen Abwesenheit und Anwesenheit

„Himmelfahrt ist der Modus der Anwesenheit des Auferstandenen in seiner Kirche – einen menschlichen Herzschlag weit entfernt.“

Knut Backhaus

So resümiert der Münchner Neutestamentler Knut Backhaus seine Betrachtungen zu den Erzählungen der Himmelfahrt Jesu am Ende des Lukasevangeliums und am Anfang der Apostelgeschichte. Der Übergang von der Jesus-Geschichte im Evangelium zur beginnenden Kirchen-Geschichte in der Apostelgeschichte verknüpft Lukas, der Autor beider biblischen Bücher, mit der Erzählung von der Himmelfahrt. Die Kirche erhält im Moment des ‚Abschieds’ Jesu die Aufgabe, ihn als Anwesenden zu erzählen und zu vergegenwärtigen, weil Jesus selbst im Abschied anwesend bleibt ... „einen menschlichen Herzschlag weit entfernt“.

„Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende de Welt.“ (Matthäus 28,20).

Bevor wir also an Pfingsten sozusagen den Geburtstag der Kirche im Heiligen Geist feiern, feiern wir heute einen ‚Brückentag zur Kirche’.

Dominik Arenz, Equipe Marien

Der ganze Artikel von Knut Backhaus ist als Leseprobe der Zeitschrift Communio zu lesen unter: https://www.communio.de/inhalte.php?jahrgang=2011&ausgabe=1&artikel=3.





Impuls 39


Impuls 38

Lasst euch nicht verwirren

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?

Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“.

Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr“. (Johannes 14,1-4)

Jesus rät seinen Jüngern in seiner ersten Abschiedsrede gemäß dem Johannesevangelium: „Lasst Euch nicht verwirren!“.

Die aktuelle Berichterstattung zeigt, wie rasant gezielte Verwirrungen und krude Verschwörungstheorien in unserer Gesellschaft um sich greifen. In wenigen Tagen ist aus anfänglichem Zündeln ein riesiger Flächenbrand entstanden. Umso schlimmer, wenn hier auch hohe Geistliche mitzündeln! Wir dagegen sollten den Rat Jesu zu Herzen nehmen: „Lasst Euch nicht verwirren!“.

„Lasst euch nicht wie ein Spielball hin- und herwerfen von den Ereignissen in der Welt, sondern habt euren Schwerpunkt in Gott. Dort gut festgemacht, könnt ihr euch den Ereignissen zuwenden, ohne verwirrt zu werden“ (Sr. Veronica Krienen OSB).

Text nach Prof. Dr. Heinz-Josef Fabry, Bonn



Keiner ist Christ für sich allein.

(Henri de Lubac)

Keiner ist Christ für sich allein, weil er/sie in die Gemeinschaft mit Gott gestellt ist: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20) ... Glaube

Keiner ist Christ für sich allein, weil er/sie in die Gemeinschaft der Menschen hinein verwiesen ist: „Keiner kann wie Kain sagen: ‚Bin ich der Hüter meines Bruders?’“ ... Liebe

Keiner ist Christ für sich allein, weil er/sie Teil der Gemeinschaft der Heiligen ist, der Lebenden und Toten, derer, die noch kommen werden, die geheiligt sind durch Jesus Christus und zur Heiligkeit berufen sind ... Hoffnung

Dominik Arenz, Equipe Marien




Impuls 37


Impuls 36

Im Schrei nach Rettung, ein Wort

Nichtgerede

Nichtstimmenwirr

aus dem Schweigen

aus dem hörenden Stillschweigen

komme!

in zärtlicher Langsamkeit

im Gehen, behutsam zu Fuß

wandern

pilgern vielleicht

im Bergen der Dinge

im Gebet der Aufmerksamkeit

ahne

die freundliche Anwesenheit

i m

Eingedenken der Leidenden

Wahren der Namen der Toten

Freuen ohne Verrat

in Dir

in mir

im Wir

allerheilig

allheilig

allwirklich

das Brot auf dem Holzbrett

der Küchentisch mit den Äpfeln

das einfache Glas mit Wein

zur

Feier

im Abend

des Tages

in Erwartung

des Lichts

aus der Frühe

                                                markus roentgen



Alltagstauglich

Die Tür steht auf
der Gang nach draußen
Farben locken
und mischen Coronatristgrau
mit den Farben des Lebens
HIMMELSBLAU und HOFFNUNGSGRÜN
der Schritt wird gewagt
der Spalt gibt das Maß
der Schritt wird gewagt
der Schritt IST gewagt
in den Ritzen das Unkraut der letzten Wochen
es gibt noch viel zu tun

Alltag
alle Tage
nicht alltäglich
alltagstauglich?

Gott ist alle Tage

er kennt unser Coronatristgrau
unser HIMMELSHOFFNUNGSGRÜN und BLAU
mit ihm wagen wir den Schritt
zurück in unser Leben

Dem Leben trauen,
weil Gott es mit uns lebt!

Text: Elke Chladek
Bild: Michael Wittenbruch

Der Impuls stamm aus den Impulsen zur Zeit für Religionslehrerinnen und -lehrer, die die Hauptabteilung Schule/Hochschule des Erzbistums Köln veröffentlicht unter: http://www.schule.erzbistum-koeln.de/kultur_und_bildung/schulen/religionsunterricht/Impulse-zur-Zeit/


Impuls 35


Impuls 34

fürchte Dich weniger!

den Weg nach unten

gehen alle mit

a l l e

und D U

gott

in

allen und allem

D u   M i t

abwärts

 

ins Nachtschattental

 

d a

 

bereitet

von D i r

 

Ganzuntengott

 

das Mahl

 

ewig geteilten Lebens

 

und uns

 

gehen die Augen

 

a u f

               markus roentgen



T ü r

wir kommen durch eine Tür

hinein

und gehen durch eine Tür

hinaus

und

vielleicht

ist es dieselbe

und

heißt

L e b e n

 

                        Markus Roentgen


Impuls 33


Impuls 32

Christentum in Zeiten der Krankheit

Die Kirche Christi Auferstehung in Köln-Lindenthal – gebaut von Gottfried Böhm in den siebziger Jahren – erinnert an das leere Grab. Eine schwere Tür bildet den Eingang, im Inneren zeigt sich ein Raum aus Beton und Ziegelstein, das Jesus-Kreuz findet sich nicht im Altarraum, sondern darüber, es scheint in den Himmel zu fliegen, es scheint, als ob es gerade auferstehe.

Der tschechische Priester und Soziologe Tomáš Halík, Autor einer zutiefst geistlichen Literatur, hat in einem Beitrag seine Sicht auf das „Christentum in Zeiten der Krankheit“ dargelegt. Der Beitrag, der neben seinem geistlichen Impetus auch beißende, vielleicht allzu beißende Kritik umfasst, wurde am 2. April im Münsteraner Forum für Theologie und Kirche veröffentlicht: http://www.theologie-und-kirche.de/halik-theologie-pandemie.pdf.

Die Mitte von Halíks Gedanken bilden die leeren Kirchen, weil sie einen Aufruf darstellten, die Frage nach ihrer eigentlichen Fülle. Was macht unsere Kirche/n voll? Wo können wir Jesus Christus begegnen, von dem es im leeren Grab an Ostern heißt: „Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden“ (Mt 28,6).

Die leeren Kirchen der Corona-Zeit beginnen sich wieder zu füllen: Was macht sie wieder voll?



Corona zieht sich hin …

... aber dann! Wenn es vorbei ist, dann ...
 
"... wird es, ähnlich wie am Ende des Krieges, in ganz Europa eine unglaubliche Explosion an Lebensfreude geben"!
(so der 93jährige italienische Soziologe Franco Ferrarotti)
 
Wann ist "dann"?
 
Wenn wieder alle Kinder in die Schule gehen?
Wenn ich wieder Tennis spielen kann?
Wenn die Kneipen - und in Italien die Espressobars - wieder offen sind?
Wenn wir uns wieder zum Friedensgruß im Gottesdienst die Hand reichen?
 
Ja, es wird viele Feste geben, dann, wenn das Ärgste überstanden ist. Und viel Lebensfreude ...
 
... und zugleich so manchen Gedanken "Die Ruhe, die Zeit für mich, das Fahren ohne Stau, die Rücksichtnahme auf dem Bürgersteig, ... das war doch schön in den letzten Monaten und machte mich glücklich".
 
Nehmen wir sie wahr und erleben sie  j e t z t  , die Lebensfreuden in dieser ganz anderen Zeit!
 
Unerwartet eintretend, Kraft gebend, nachdenklich stimmend ...

Markus Wagemann



Impuls 31


Impuls 30

Von Balkonen und Fenstern

Als in Folge der Corona-Pandemie im März Geschäfte und Schulen schlossen, Unternehmen ihre Arbeit herunterfuhren, begannen einige Solidaritätsaktionen von Kirchen sowie Bürgerinnen und Bürgern, um die bleibende Gemeinschaft sowohl mit Erkrankten, mit Isolierten, mit ihren Angehörigen, mit Menschen in Pflegeberufen etc. zum Ausdruck zu bringen. Die Glocken der Kirchen läuteten, Kerzen wurden ans Fenster gestellt, Regenbogenbilder gemalt, Lieder gesungen.

In einem Teil der Adolfstraße in unserem Viertel erklingen seit März um 21:00 Uhr von Balkonen und Fenstern nicht nur Stimmen, sondern auch verschiedene Instrumente: Keyboard, Saxophon, Gitarre, Akkordeon... Feste Bestandteile des Abends sind „Der Mond ist aufgegangen“ und „Freude, schöner Götterfunken“. Menschen bleiben stehen, bringen selber Instrumente mit, singen, sind miteinander.

Wie lange noch wird unser Leben anders sein?

Dominik Arenz, Equipe Marien




Josef und Maria

Heute, am 1. Mai, feiert die Kirche Josef, den Arbeiter. Und tatsächlich wird es auch ab heute wieder erste öffentliche Gottesdienstfeiern geben, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Der Monat Mai ist im katholischen Kirchenjahr Maria geweiht, der Jungfrau und Gottesmutter.

Josef und Maria werden also in diesen und den nächsten Tagen besonders um Schutz und Begleitung angerufen. Man erinnert sich an sie als tatkräftige Eltern auf dem Weg nach Betlehem, auf der Flucht nach Ägypten, auf der Suche nach dem zwölfjährigen Jesus in Jerusalem. Wir sehen Maria mit Johannes unter dem Kreuz oder – als Pietà – mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Wir sehen sie auch im Kreis der Jünger am Pfingsttag zwischen der Trauer der Gegenwart und einer Hoffnung auf Zukunft.

Josef und Maria, starke Menschen der Bibel. Trotz der widrigen Umstände um Marias frühe Schwangerschaft bleiben beide dabei, nehmen den Ruf des Engels an, vertrauen auf Gott und packen es an. Josef und Maria, starke Menschen voll Vertrauen und Hoffnung.

Bittet für uns.

Dominik Arenz, Equipe Marien


Impuls 29


Impuls 28

„Leben will ich“.

Titel eines Romans von der franz. Schriftstellerin Benoîte Groult 1983. Es ist die Aufbruchs- und Emanzipationsgeschichte einer Frau.  Das ist Ruf, Ausdruck eines Wunsches, einer Sehnsucht, einer Rebellion, ausgestoßen in Situationen, in denen es sehr eng wird,  in denen es einem die Luft zum Atmen abschnürt, in denen es an die Substanz geht.  

Wer kennt diese Erfahrung nicht aus seiner eigenen Lebensgeschichte?  Doch was macht unser Leben aus, wenn wir es nicht rein biologisch betrachten?  Trägt unser Glaube, dass wir von Gott in dieses Leben gerufen worden sind?  

Und dass wir auf einem Weg sind, der uns wieder zu Gott hinführt,  um schließlich in ihm unsere endgültige Heimat zu finden?  

Prägt es uns, dass wir durch unsere Taufe in die Gemeinschaft mit Christus berufen sind? 

Leben will ich – in der Gemeinschaft mit Christus.  

Er aber fordert von uns das „Mehr“ unserer Liebe, das Tragen des Kreuzes:  Dass wir das Leben mit all seinen Widrigkeiten annehmen sollen,  dass wir nicht dagegen ankämpfen und so unsere Kräfte verbrauchen,  anstatt die Situation anzunehmen als ein Geschenk des Wachsens und Reifens. 

Leben will ich. Unser Leben steht unter der Verheißung,  es vollständig mit dem Leben Christi vereinen zu können,  in einer Dimension, die wir „ewiges Leben im Himmel“ nennen,  das aber unsere Vorstellungen übersteigt, das uns fragen, aber auch hoffen lässt.  

(Mit Erlaubnis zur Veröffentlichung von Prof. H.-J. Fabry, emeritierter Alttestamentler der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Bonn)

Irmgard Hansen




Michel de Certeau SJ deutet das Kreuzzeichen so

VERTIKAL: Das ganze Eintauchen Gottes in Welt – KENOSE! 
So, wie es Phil 2 beschreibt – ABSTIEG Gottes,
Machtverzicht im Lieben bis ZUM ES GEHT NICHT MEHR!


HORIZONTAL: Das Erblicken des Göttlichen in jeder/jedem Anderen, 
die/der begegnet, 
besonders im Nackten der mich anblickenden Pupille, 
die mir vor jeder Intention, zuruft: 

Töte mich nicht, sei meine Schwester, sei mein Bruder! 




Impuls 27


Impuls 26

Der (vor-)letzte Friedensgruß…

Oft denke ich in den letzten Wochen an den 1. März zurück, an den Gottesdienst zum ersten Fastensonntag in St. Marien: Ich erinnere mich an den Moment, als Pfarrer Rieve uns vor dem Friedensgruß bat, uns gut zu überlegen und bewusst zu entscheiden, ob wir angesichts von Corona rechts und links von uns Hände schütteln wollen. Als Antwort darauf ging ein Raunen durch die Gemeinde, hier und da auch ein Lachen oder so etwas wie ein mühsam unterdrückter Protestruf. Und viele aus der Gemeinde gaben sich bewusst lange die Hand oder umarmten sich – so kam es mir vor – besonders ostentativ, mich selbst eingeschlossen.

Es war der vorletzte Sonntagsgottesdienst für sehr lange Zeit…

Nun bin ich nicht nur gespannt, wann wir uns wieder zum Gottesdienst versammeln dürfen, sondern auch, wie es unsere Gesellschaft und Kirche künftig mit dem Händeschütteln und Umarmen halten wird – ob zur Begrüßung, zum Abschied, zur Gratulation, zum Friedensgruß, …

Vieles wird sich durch Corona ändern. Und ich freue mich jetzt schon auf vielfältige fantasie- und respektvolle Gesten und Formen, dem Friedensgruß auch ohne körperliche Berührung Ausdruck zu verleihen!


Michael Steiner,
Karwoche 2020



Gott ist mächtig.
Ist jemand unter uns, der seinem Lebensabend
entgegengeht und den Tod fürchtet?
Warum diese Furcht?

Gott ist mächtig!
Ist jemand unter uns, der über den Tod
eines geliebten Menschen verzweifelt ist?
Warum verzweifeln?

Gott kann die Kraft schenken,
das Leid zu tragen.
Sorgt sich jemand um seine schlechte Gesundheit?
Warum sich sorgen?

Komme, was mag, Gott ist mächtig!
Wenn unsere Tage verdunkelt sind
und unsere Nächte finsterer
als tausend Mitternächte,
so wollen wir stets daran denken,
daß es in der Welt eine große,
segnende Kraft gibt, die Gott heißt.
Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen.
Er will das dunkle Gestern
in ein helles Morgen verwandeln -
zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.

Martin Luther King



Impuls 25


Impuls 24

Beten

wir Menschen

ein Baum aus Gesten

buchstabieren unser Schweigen

erkennen an im Beten

dass Gott alles ist

Hände gen Himmel

Handflächen auf

Schweigeschrei

zum Osten hin

vom Tod zur Auferweckung

KOMM, SONNE! Schreinglanz des Auferweckten, ganz bejaht im Lichtleib

dass Gott alles ist

warten, warten, warten

Verlangen

Gesten des Trostes

Ruhen, Ausruhen

und wieder warten, warten, warten

und wieder beginnen -  das Sehnen im Lebensbeten

 

          markus roentgen




Auferstehung verstehen wollen (zu Lukas 24,35-48)

„Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen. Dann sagte er zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesprochen habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Moses, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht. Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften. Er sagte zu ihnen: So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen und in seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem, seid ihr Zeugen dafür“.
(aus dem Tagesevangelium vom 16. April 2020)

Der Evangelientext spielt zwischen Emmaus und dem ungläubigen Thomas (Joh 20). Hier versucht der Evangelist sich und seinen Leserinnen und Lesern klarzumachen, was es mit der Auferweckung Jesu wirklich auf sich hat. Jesus Christus lebt wirklich, auch wenn es auf den ersten Blick nicht gelingen will, in ihm den vorösterlichen Jesus von Nazaret wiederzuerkennen. Man kann ihn an Zeichen (Wundmalen) und Riten (Brot brechen) wiedererkennen.

Der Auferstandene erklärt seinen Jüngern, dass in seinem Leiden, Tod und Auferstehung erfüllt werde, was in der Schrift angekündigt worden sei. Dieser Rückverweis auf die Heilige Schrift ist so allgemein und unspezifisch, dass für heutige Logik dieser Rückverweis in der Luft hängen bleibt. Weder das Alte Testament noch das Judentum kennen eine Tradition von einem Messias, der leiden muss. Das Neue in Jesus Christus ist so neu, dass es analogielos ist und nicht aus der Tradition begründet werden kann, sondern selbst eine neue Tradition begründet: die Kirche.

„HERR, unser Herr, / wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, *
der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.
Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge hast du ein Bollwerk errichtet /
wegen deiner Gegner, um zum Einhalten zu bringen Feind und Rächer.
Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, *
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, *
alles hast du gelegt unter seine Füße: Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere,
die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.
HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde!“  (Ps 8,1-10).

Heilige Maria, du Mutter der göttlichen Gnade, wir bitten dich, erhöre uns. Amen

Prof. Dr. Heinz-Josef Fabry am 16. April 2020 (Stella Matutina, BN 539)




Impuls 23


Impuls 22

D A S  I S T  D E R  M E N S C H

wie es scheint

der den ersten Stein wirft

immer
und
immer wieder


versteinerte
Liebe

verhärtet
verschlossenes
Selbst

 

gesteinigt

im
DU

überkreuzt

vergraben

 

k o m m t  h e r a u s !

k o m m  !

 

zartwund
behutsam
freundlich

ohne Fassung

liebend

im Nachtfenster

der Welt

 

e i n  H e r z

 

freiend
im Kuss

alltäglich
zeichenhaft nah

menschenfroh da

 

s c h ö n

                   Markus Roentgen




Es geht (noch nicht) wieder los...

Am heutigen Montag enden die Schulferien und endet auch die erste große Phase des Lockdowns, in dem das gesellschaftliche Leben auf eine Art soziales Minimum runtergefahren wurde.

Diese Phase endet heute; einige Geschäfte öffnen wieder, einige Schülerinnen und Schülergehen ab Donnerstag wieder zur Schule. Zugleich geht die Phase aber auch weiter; viele Geschäfte bleiben noch einige Zeit geschlossen, Gottesdienste finden noch nicht wieder statt, viele Kinder und Jugendliche bleiben noch im HomeSchooling.

Es geht wieder los und doch noch nicht. Wir bleiben gespannt – angespannt? – zwischen Vorsicht und Ungeduld, zwischen Sorge und Aufbruch, zwischen Home und Office, zwischen alten und neuen Normalitäten.

Wir denken an diejenigen unter uns und neben uns, für die es in dieser Zeit um etwas geht, an die Kranken und ihre Angehörigen, an die Pflegenden, an die Geschäftsleute, an die Abiturienten... und legen ihr Sein und Tun – wie so vieles – in Gottes Hand.

Dominik Arenz
Equipe St. Marien



Impuls 21


Impuls 20

„Gott hat die Ewigkeit in alles hineingelegt“ (Kohelet 3,11)

Gott vertrauen in der Zeit der Corona-Epidemie

Wenn der außerordentliche Vers aus dem Weisheitsbuch KOHELET in mir Annahme findet, zunächst im Geist, dann, je mehr in allem aus Leben, Lieben, Krankheit, Leiden, Sterben bis in den Tod, dann ist es auch daran, in der Corona-Epidemie danach zu suchen, mit allen Kräften des Denkens und der Sinne, wie in alledem Gott zu finden ist? Es ist viel zu früh, hier zu einer Prognose zu kommen, die das WIE fixiert, da ist Demut nötig.

Abwegig scheinen mir alle apokalyptischen Gewissheiten zu sein, die gegenwärtig kursieren, in Richtung von Strafe Gottes, Menschheitsdämmerung, Weltenende.

Gott ist treu, das ist die Mitte der Heiligen Schrift. Mir erscheint wesentlich, wirklich täglich zu beginnen in der geistlichen Übung, die ein Leben lang dauert, Gott wirklich zu vertrauen, dass Gott wirkt in allem und in allen, geheimnishaft, aber lebendig DA!

Gott, Du absoluter Grund unseres Seins. So kann das tägliche Beten beginnen.

Und daraus, aus diesem Vertrauen, in der suchenden Anwendung unserer Sinne, in die diskrete Bewegung des Gott Findens zu gelangen. Wahren und wahrnehmen, wie Gott uns zur Mitarbeit in der einen Aktion, die das Universum ist, einbezieht.

Das betrifft viele von uns jetzt neu, in der Einschränkung der Epidemie – und die Frage wird neu wach: Wer bin ich, wenn ich nicht mehr tun kann, was ich sonst jahraus, jahrein und Tag für Tag gewohnt war, zu tun? Ist es, wenn ich nun erkranke, möglich, wie es Ignatius von Loyola in seinen SATZUNGEN unter Nummer 272 schreibt, die Krankheit nicht weniger als die Gesundheit als ein Geschenk zu erfahren ins je MEHR GOTTES? Denn weder Krankheit noch Gesundheit sind die allererste und allerletzte Wirklichkeit. Und, so gut gemeint es ist, wenn täglich der Mantrasatz erfolgt: „Bleiben Sie gesund!“ Wenn dies zum „Goldenen Kalb“ wird, dann sitzen wir einem Götzen auf.

In allen Ängsten gerade kann dieses MEHR an Vertrauen dagegen, dass Gott in allem lebt und wirkt, auch durch das Virus hindurch, mich zu größerer Gleichmut bewegen, die alles andere als Gleichgültigkeit ist.

Ich kann dann in das Folgende finden:
Bete, als hinge alles von dir selbst ab.
Handle, als hinge alles von Gott ab.

Diese Spannung aber ist immer wieder täglich in einen Unterscheidungsprozess zu bringen, was jetzt im Beten von mir zu verantworten ist, was ich in meinem Einsatz für das Leben in allen Zusammenhängen Gott überlassen darf, kann, letztlich muss. Darin kann Frieden einkehren – an jedem Abend des Tages, im Leben von Tag zu Tag. Ich werde großmütig und relativiere meine Fixierungen auf meine Leistungen. Was ich tue ist immer sekundär im Vergleich zu meiner von Gott her immer je größer geschenkten Einheit. Diese Einheit in Gott im Geist, der mir im Mitgehen des Weges Jesu göttlich wird. In meinen Ängsten, meinen Verdunkelungen, meinem Hader und Zweifeln, meinem Unvertrauen in meinem Vertrauen je MEHR zu erahnen; darin bin ich der unendlich geliebte Mensch in der Kirche der Menschheitsfamilie, in der Gemeinschaft der Lebenden und Verstorbenen. Ich vertraue Dir Gott allbarmherzig. Gott DU mein Alles.

Ich überlasse es Dir, Gott, wofür ich mich jetzt einsetzen soll. Ich bete mit weit geöffneten Armen, dass ich meinen Einsatz jetzt finde in der Zeit der Epidemie, im dienenden Handeln, im aufrichtenden Wort, im hörenden Beten.

Ich binde mich nicht an meine Aufgabe, als wäre ich völlig ihr untertan.

Mein innerster Kern lebt aus der tief-weiten Gottverbundenheit, in der ich ein immer liebenderer Mensch werden kann im alltäglichen Dienst in der EINEN UNIVERSALEN AKTION GOTTES, in der auch Corona nur ein Teil ist.

In ein HAIKU poetisch gebracht:
Gott allein erhält
und lädt uns zum Mittun ein
aus Vertrauen ganz

Markus Roentgen




"Ich werde wiedergeboren, Du wirst wiedergeboren"

Unter diesem Titel komponierten, texteten und singen die italienischen Musiker Roby Facchinetti und Stefano D'Orazio.

Anlass für dieses Lied ist der Corona-Notstand in ihrer Heimatstadt Bergamo.  Sie wollen mit diesem Lied Mut machen und mit den Ein-nahmen aus den Urheberrechten und Downloads das Krankenhaus Papa Giovanni XXIII für den Kauf von medizinischen Geräten unterstützen.

Das Video wurde auf Youtube millionenfach angeklickt: https://youtu.be/D5DhJS5hGWc


Ich werde wiedergeboren, du wirst wiedergeboren
.

Wenn einmal alles vorbei ist, kommen wir zurück,

um die Sterne wiederzusehen.

Ich werde wiedergeboren, du wirst wiedergeboren.

Der Sturm, der uns überwältigt, er biegt uns, aber er wird uns nicht brechen.

Wir wurden geboren, um das Schicksal zu bekämpfen,

Doch immer wieder haben wir gewonnen.

Diese Tage werden unsere Tage verändern,

Diesmal aber werden wir ein wenig mehr lernen.

Ich werde wiedergeboren, du wirst wiedergeboren

Umarmt vom großen Himmel,

werden wir zurückkommen, um Gott zu vertrauen.

Die Stille aber, sie atmet eine neue Luft,

doch sie macht mir Angst, diese meine Stadt.

Wir wurden geboren, um das Schicksal zu bekämpfen,

Doch immer wieder haben wir gewonnen.

Ich werde wiedergeboren, du wirst wiedergeboren.

Kathy Kaaf, PGR



Impuls 19


Impuls 18

Corona der Schöpfung

lange
viel zu lange
dachte
der Mensch
er sei
die Corona der Schöpfung

bis ihm
Corona
scheppernd
auf die Füße fiel
(oder auf die Lunge)


Michael Steiner
April 2020



Corona und Klima

Corona ist unserem Empfinden nach so einschneidend wie keine andere Krise bisher. Aber man könnte auch sagen, die Krisen häufen sich und wir scheinen als Gesellschaft kaum hinterher zu kommen, jede für sich zu lösen. Vivian Dittmar, die Begründerin der ‚Be the Change’-Bewegung hat in einem Artikel beleuchtet, was die Herausforderungen gemein haben. Sie zieht acht Parallelen zwischen der Klima-Krise und der Corona-Krise, die frappierend sind und den Blick schärfen. Denn wir können angemessen handeln, wenn wir besser verstehen, worum es im Kern aller Krisen geht.

Die 8 Parallelen im Überblick:

  1. Die Kipp-Punkte: Wie bei Corona, so ist es auch beim Klima: Wenn wir die Auswirkungen spüren, könnte es für wirksame Maßnahmen zu spät sein.
  2. Unsere Intuition versagt, weil wir uns angesichts der Größe der Herausforderungen nicht auf unser Erfahrungswissen verlassen können.
  3. Gleichgültigkeit für das, was danach kommt: In der Klimakrise sind es die Älteren, in der Corona-Krise die Jüngeren, die keine Einsicht haben.
  4. Beide Krisen sind nur durch Kooperation und Solidarität zu meistern.
  5. Die Ungewissheit ist groß und wir tun uns schwer, unser Nicht-Wissen einzugestehen. Dabei wäre genau das hilfreich.
  6. Die Einschätzung, was systemrelevant ist, ändert sich radikal. Heute sind es Pflegekräfte, Polizisten, Kassiererinnen im Supermarkt. Die Klimakrise fordert uns noch mehr, zu erkennen wie verbunden wir miteinander sind.
  7. Was ist wirklich wichtig? Corona zeigt uns, dass Menschlichkeit vor wirtschaftlichen Interessen geht.
  8. Die Interessen des Einzelnen und der Gesellschaft verschieben sich zugunsten des Gemeinwohls. Wir akzeptieren Einschränkungen zum Wohle von allen. Das sollten wir auch in der Klima-Krise tun.

Den kompletten Artikel von Vivian Dittmar finden Sie unter https://ethik-heute.org/zwei-krisen-acht-parallelen/

Vivian Dittmar ist Gründerin der ‚Be the Change’-Stiftung für kulturellen Wandel, Initiatorin des Projekts ‚Bäume für den Wandel’, Beraterin beim Terra Institute und Autorin mehrerer Bucherfolge.

Markus Wagemann
Pfarrgemeinderat St. Petrus



Impuls 17


Impuls 16

Das Gleichnis vom Wachsen der Saat (Mk 4; 26-29)


Jesus sagte: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. Sobald aber die Frucht reif ist, legt er die Sichel an; denn die Zeit der Ernte ist da.


→ Wo in dieser Vollbremsung unseres Lebensstils wächst denn das Neue schon?



Glockengeläut

Nach dem Gloria am Gründonnerstag fliegen die Glocken der Kirchen sprichwörtlich nach Rom, um erst Ostern mit dem Gloria wieder bei uns anzukommen. Das Glockengeläut, das nun wieder in unsere Wohnungen dringt, ist ein Zeichen der Solidarität und des gemeinsamen Gebets für und mit den Menschen, die um ihr eigenes und um andere Leben kämpfen, und sagt uns in diese Zeit hinein die Botschaft überragender Hoffnung:
Christus ist auferstanden, halleluja!



 
 

Impuls 15


Impuls 14

Karsamstag

Zwischen den Zeiten
Zwischen Sterben und Auferstehen
Zwischen Tod und Leben
Zwischen den Leben
Im Leben
Leben Gottes.

Der Karsamstag ist der Tag, an dem wir dem Gang Jesu zu den Toten gedenken, so ordnet der Theologe Hans Urs von Balthasar ihn in seine „Theologie der drei Tage“ ein: Am Karfreitag geht Jesus ans Kreuz, an Karsamstag zu den Toten, am Ostersonntag zum Vater. Es ist ein Gang Jesu, ein Geschehen.

Am Karsamstag ist also bereits das Ostergeheimnis da, denn Jesus selbst steigt in die ‚Hölle’ genannte Gottlosigkeit hinab – „Warum hast du mich verlassen?“ Der Gottessohn geht liebend bis in den Nicht-Ort Gottes, liebt ihn leer. Zwischen Tod und Auferstehung, zwischen Karfreitag und Ostern ereignet sich bereits beginnend das, was wir Ostern feiern: Leben, Leben Gottes.

Dieser Tage hören wir des Öfteren, dass dieses Ostern ohne Gottesdienste in der Kirche, ohne die Gemeinschaft in der Gemeinde, vom Karsamstag gezeichnet werden wird, von seiner Leere und Stille, seiner Abwesenheit.

Leere. Stille. Ja, doch auch dieser Karsamstag, auch diese Zeit, die wir als ein ‚Zwischen’ erfahren mit einem Davor und einem Danach, ... auch heute ist schon österlich geprägt österlich geliebt.

Im leeren Zwischen des Karsamstags ereignet sich bereits das Leben Gottes.

Dominik Arenz, Equipe Marien



Karfreitag ist Krisen- und Protesttag

„Die Welt steht Kopf, sie gerät aus den Fugen“, sagen einige.
„Nichts ist mehr so, wie es war“, sagen andere.

Aber, antworten die Römer: Selbstverständlich ist die Welt noch so, wie sie war.
Diesen Jesus haben wir öffentlichkeitswirksam zur Strecke gebracht.
Das haben wir schon immer so gemacht. Den Leuten sitzt der Schrecken in den Gliedern und die Pax Romana ist wiederhergestellt, gut so!! Es geht wie immer weiter.
Auch der Hohepriester sagt bedauernd: Wir vom Hohen Rat mussten leider dafür sorgen, dass es nicht zum Aufstand kommt. Manchmal muss einer sterben, damit nicht viele sterben müssen.
Das war schon immer so, damit die Welt nicht aus den Fugen gerät.

Karfreitag: Die Krise von damals wurde nie vergessen, sie ist nicht mehr aus der Welt zu kriegen.
Das Leiden und Sterben dieses Unruhestifters, normalerweise verschwindet so was schnell von der Bildfläche, ist nicht weggewischt, es ist noch da vor aller Augen.
Damit wir nicht die Augen verschließen, wahrnehmen, was Menschen einander antun und was Menschen erleiden müssen.

Trotzdem geht alles seinen gewohnten Gang: Die Starken machen den Schwachen Angst und behalten die Macht. Sie nennen es Frieden. Die anderen opfern Menschen, grenzen aus und tun so, als ob es im Gesamtinteresse ist.
Ja, diese Lügen -Frieden und Heiliges Opfer- gehen weiter.
Alles das ist uns bewusst. Die Welt gerät aber nicht aus den Fugen, alles geht weiter: So scheint es. Will denn die Krise für die Elenden und Schwachen und für alle, die dürsten nach Gerechtigkeit und Trost, nach wirklichem Frieden und Liebe, will denn das nie aufhören?
Doch es will, Gott will es.  

Der Karfreitag ist ein Krisentag und ein Protesttag. Gott steckt mit uns in der Krise, damit wir nicht allein sind im Leiden und Sterben und (!) damit wir dagegen protestieren, was die Welt kaputt macht.
„Die Welt steht Kopf!“ Ja, das sollte sie auch: Da muss sich noch viel ändern, bevor es heißen kann:
„Es ist vollbracht.“

In diesen Protest ist schon der Glaube an Ostern wie ein Senfkorn hineingepflanzt.


Michael Schäfer
Pfarrer der Ev. Lukaskirchengemeinde Bonn



Impuls 13


Impuls 12

Leben heute

Ganz früh bin ich heute durch die Obstwiesen an den Rhein gegangen, die Mirabellenblüte ist fast vorbei, die Birnbäume blühen in voller Pracht. Die Bäume und Sträucher grünen zart und hell, das Geäst ist sichtbar.
Mir ein Zeichen des Vorübergangs – ein Pascha der Natur.

Heute noch,
die sichtbare und fassbare Geste des Niederkniens, des Dienens.

Ich spreche innerlich mit Petrus: „ Du kannst mir doch nicht die Füße waschen!“
Unfassbar!
Ja, ich würde es aushalten, wenn Du mir den Kopf wäschst!

Jesus hockt sich mir zu Füßen und wäscht mir die Füße.
Kaum aushaltbar – kaum annehmbar.

Dienend, liebend.
So ganz und gar Geschenk - wie die sich verströmende Fülle des zarten Grüns heute morgen.

Einladung – und Auftrag

 

Evangelium nach Joh 13, 1-15

1 Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen, und er die Seinen liebte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis zum Ende.
2 Während eines Mahles als der Teufel hatte Judas Iskariot, dem Sohn des Simon, es  schon ins Herz gelegt hatte, ihn zu überliefern.
3  steht Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hände gegeben und dass er von Gott ausgegangen und zu Gott zurückkehre,
4 vom Mahl auf, legt das Gewand ab, nimmt ein Leinentuch und bindet es sich um.
5 Dann gießt er Wasser in eine Schüssel und beginnt, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit er sich umgebunden hatte, abzutrocknen.
6 Er kommt nun zu Simon Petrus. Der sagt zu ihm: „Herr, du willst mir die Füße waschen?“
7 Jesus antwortete und sagte zu ihm: „Was ich tue, verstehst du jetzt nicht;
du wirst es aber später erkennen.“
8 Petrus sagt zu ihm: „Du wirst mir die Füße in Ewigkeit nicht waschen!“
Jesus erwiderte ihm: „Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.“
9 Simon Petrus sagt zu ihm: „Herr, nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.!“
10 Jesus sagte zu ihm: „Wer gebadet hat, hat nicht nötig, sich zu waschen, sondern ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein; aber nicht alle.“
11 Denn er kannte den, der ihn überliefern würde. Deshalb sagte er: „Ihr seid nicht alle rein.“
12 Als er nun ihnen die Füße gewaschen und sein Gewand angelegt und sich wieder zu Tisch gelegt hatte, sagte er zu ihnen: „Versteht ihr, was ich euch getan habe?
13 Ihr ruft mich „Meister“ und „Herr“ und mit Recht sagt ihr das, denn ich bin es.
14 Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, müsst auch ihr einander die Füße waschen.
15 Denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, wie ich euch getan habe.

    

„Allmächtiger und ewiger Gott, du bist unsere Zuflucht in jeder Gefahr; an dich wenden wir uns in unserem Schmerz und bitten dich voll Vertrauen: Hab Erbarmen mit unserer Not. Ge-

währe den Verstorbenen die ewige Ruhe, tröste die Trauernden, heile die Kranken. Schenke

den Sterbenden den Frieden, den Pflegenden Stärke, den Verantwortungsträgern Weisheit und ermutige alle, sich einander in Liebe zuzuwenden, damit wir gemeinsam deinem heiligen Namen die Ehre erweisen. Darum bitten wir durch Jesus Christus...“

(Gebet in der Zeit der Pandemie; Kongregation für den Gottesdienst)


Stille und Stimme

Schweigen über etwas heißt ja nicht nur einfach schweigen. Das negative Schweigen wäre Agnostizismus — das positive Schweigen ist Mystik”

(Bachmann, Ingeborg: Werke. Bd. 4. München/Zürich: Piper 1984, 120)

Schweigen ist nicht bloß die Abwesenheit des Sprech-Aktes: Es ist eine Handlung. Es enthält immer eine Antwort auf eine Frage, sei diese wohl formuliert im Gespräch oder in einer Lebenssituation implizit angelegt. Derselbe Akt des Schweigen kann zwei verschiedene Antworten verbergen, so Bachmann. Wenn wir uns der Stimme enthalten, da wir nicht wissen, wie die Antwort lautete, so schweigen wir auf negative Art: Agnostizismus. Wenn wir schweigen, da wir wissen, die Antwort selbst liege in der Stille, so ist unser Schweigen positiv: Mystik.

Dieser abstrakte Gedanke von Bachmann kann uns in dieser schwierigen Situation helfen. Häufig sind Emotionen durch Sprache und Reflexion schwer zugänglich. Wir verstehen sie erst, wenn wir uns ihnen in der Stille hingeben. Gerade jetzt, wo viel negative Emotionen auf verschiedenen sprachlichen Kanälen verbreitet werden und latent bleiben, können wir versuchen, uns immer wieder zu fragen “Wie geht es mir gerade innerlich?” Wir können versuchen, auf diese Frage mit Schweigen zu antworten, nicht weil wir die Antwort nicht kennen, sondern weil wir sie erst  in der Stille finden und erleben. In dieser Stille kann unsere Stimmung zur Stimme kommen, durch uns fließen und dadurch befreien.

Marcello Garibbo

Impuls 11


Impuls 10

Familie in Coronazeiten

Als ich zwei meiner Töchter und eine ihrer Freundinnen am 13.3. von der Schule abholte, kam gerade im Radio die Meldung von der Schulschließung in NRW. Jubel und „Cool, fünf Wochen Osterferien!“ war die erste Reaktion – doch die Begeisterung legte sich schnell, als klar wurde, dass Coronaferien eben keine richtigen Ferien sind, sondern eine ganz schöne Herausforderung für wohl alle Familien.

Wir haben schnell gemerkt, dass wir für uns und unsere Kinder einen klar strukturierten Tagesplan benötigen – sehr hilfreiche Anregungen fanden wir dafür in folgendem Text des österreichischen Ehepaars Büchsenmeister:

https://ehefamiliebuch.at/files/layout/canva%20familienleben%20corona%20klein.pdf

Auch haben wir versucht die Familie noch mehr als Hauskirche zu begreifen – hierfür sind die Entwürfe für Wort-Gottes-Feiern in unserer Gemeinde eine große Hilfe! Zudem gestalten wir mit unseren Kindern jeden Tag ein Abendgebet, wobei wir die Homepage des Kölner Priesters P. Gianluca Carlin nutzen:

www.beten-in-coronazeiten.de

Hier findet man jeden Tag Gebetsimpulse auch für Kinder, Links, die sich für das gemeinsame Gebet eignen, und weitere Hilfen für die Alltagsgestaltung – nicht nur, wenn man Kinder im Haus hat.

Diese Anregungen helfen uns, diese besondere Zeit als eine intensive und schöne Familienzeit zu leben. Natürlich klappt das nicht immer, aber Widrigkeiten gehören zum Menschsein nun mal dazu.

Der Satz Jesu: „Wer mein Jünger sein will, der nehme täglich sein Kreuz auf sich“ bekommt so gerade in diesen Tagen eine tiefe Wahrheit – die Kreuze sind sehr unterschiedlich verteilt, je nachdem, ob man alleine wohnt oder nicht, ob man jung oder alt ist – aber wohl jeder hat zur Zeit sein Päckchen zu tragen. Wenn wir lernen, dieses Päckchen mit Blick auf Jesus und sein Kreuz fröhlich zu tragen, weil wir wissen, dass er jedes Kreuz verwandeln kann, dann ist diese Zeit vielleicht eine besondere Chance zur Nachfolge – gerade in den Kartagen!




Messe online?!

Die sonntägliche Feier der Eucharistie ist, wie das Zweite Vatikanische Konzil es formuliert, „Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens“. In seinem Fastenhirtenbrief vom vergangenen Jahr hat unser Kardinal die Bedeutung der Messe für uns Christen besonders herausgestellt – „sine dominico non possumus“, ohne die sonntägliche Feier des Paschamysteriums können wir nicht. Es lohnt sich, diesen Brief auch und gerade in diesem Jahr wieder zu lesen und zu meditieren!

https://www.erzbistum-koeln.de/news/Fastenhirtenbrief-2019-zum-Thema-Eucharistie/

Doch was für viele von uns vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen ist, ist nun traurige Corona-Realität: Wir können nicht nur am Sonntag, sondern auch in der Heiligen Woche nicht zusammenkommen, um gemeinsam die Eucharistie zu feiern.

In diesen Zeiten empfinde ich es als sehr tröstend, dass die Messe trotzdem von den Priestern gefeiert wird – zwar ohne physische Beteiligung der Gläubigen, aber trotzdem für die und mit den Gläubigen! Auch vor Corona kam es vor, dass ich an einem Sonntag krank war und deshalb nicht die Heilige Messe besuchen und mitfeiern konnte – wie gut zu wissen, dass sie gefeiert wurde, und dass ich betend an ihr teilnehmen konnte, ohne physisch präsent zu sein! Denn in jeder Messe betet der Priester im Hochgebet, dass sie „in Gemeinschaft mit der ganzen Kirche“ gefeiert wird! Ist das nicht großartig? In der Eucharistie ist die ganze Kirche des Himmels und der Erde versammelt! Wie gut, dass die Messe weiterhin jeden Tag gefeiert wird, denn sine dominico non possumus.

Und wie gut, dass es heute so viele Möglichkeiten gibt, die Messe mitzuvollziehen – es gibt mehrere Streaming-Angebote zu fast jeder Tageszeit! Ich habe an den letzten beiden Sonntagen um 10.30 die Wort-Gottes-Feier mit meiner Familie und vorher oder anschließend eine Messe auf dem Bildschirm mitgefeiert. Das war zunächst ungewohnt – aber meine Oma schafft es seit Jahren nicht mehr jeden Sonntag in die Kirche, und sie nimmt über Fernsehgottesdienste trotzdem teil am sakramentalen Leben der Kirche.

Ein paar Hinweise haben mir geholfen:

  • Es ist gut, wenn man den Ort, wo man die Heilige Messe über Fernsehen oder Internet mitfeiert, ein wenig gestaltet – mit Blumen und einem Kreuz beispielsweise.
  • Schöner ist es, wenn man die Messe auch im Internet nicht alleine mitfeiert – man kann ein Familienevent daraus machen!
  • Ich habe versucht die Messe so mitzufeiern, als wäre ich in St. Marien, in St. Joseph oder in der Stiftskirche – beim Lesen des Evangeliums bin ich aufgestanden, beim Hochgebet habe ich gekniet, bei den Liedern mitgesungen, die Texte mitgesprochen.
  • Während der Kommunion habe ich die von unserem Bischof empfohlene geistige Kommunion gebetet – also so zu Jesus gebetet, wie ich auch in der Messe vor und nach der Kommunion bete oder vielleicht beten sollte.

So kann es uns gelingen, auch ohne die Messe nicht ohne die Messe leben zu müssen – denn sine dominico non possumus!

Florian Leibold


Impuls 9


Impuls 8

Aufstehen

© Pixabay

Wenn wir aufstehen, übertreten wir die Grenze zwischen Nacht und Tag. Diese Grenze kann strikt oder fließend sein, je nachdem wie wir aufstehen. Tauchen wir sofort in unsere täglichen Aktivitäten ein, so machen wir die Grenze randscharf, machen sie zu einer Klinge, die unser schlafendes Ich vom Wachem wegschneidet. Damit bleiben Tag und Nacht für uns getrennte Momente, Schlafen und Wachsamkeit zwei unverbundene Zustände unseres Geistes.

Wir wissen aber, dass das nicht ihrem tatsächlichem Verhältnis entspricht. Die Nacht ist genau soviel durch tägliche Ereignisse durchdrungen, wie der Tag durch die Stimmung unserer Träume, die Tiefe unseres traumlosen Schlafes bestimmt wird. Die Grenze zwischen Tag und Nacht ist also keine strikte, sondern eine fließende. Wir können diese Grenze als fließend erleben, wenn wir uns Zeit zum Aufstehen nehmen. 10-15 Minuten jeden Morgen können reichen, uns bewusst zu machen, was auf beiden Seiten der Grenze ist.



Am letzten Sonntag, dem Passionssonntag, wurden in allen Kirchen die Kreuze verhüllt. In diesen Zeiten sind sie uns doppelt verborgen...

Aus diesem Anlass als ZeitGedanke eine Andacht zum Kreuz von Père Alphonse Munyanziza:

IM KREUZ UNSERES HERRN IST
AUFERSTEHUNG UND HEIL

Lied : GL  305,1

V/ Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

A/ Amen

Liebe Christinnen und Christen in der Pfarrei St. Petrus,

Jesus starb am Kreuz. Die Christen aber haben das Kreuz umgewertet, aus dem Todeszeichen wurde ein Siegeszeichen, das Sterbenszeichen wurde ein Lebenszeichen.

In dieser Coronakrisenzeit können wir nicht die kirchlichen Gottesdienste feiern. Die Kar- und Ostertage werden anders gefeiert werden bzw. in unseren Herzen. Am Karfreitag feiern wir das Leiden und Sterben Christi am Kreuz.

Das Kreuz ist ein Zeichen unserer Hoffnung, ein Heilszeichen unendlicher, unfassbarer Liebe, die sich ausliefert und Erniedrigung duldet, die unsagbare Qual auf sich nimmt, die uns auf unseren Kreuzwegen begleitet, besonders auch in unserer aktuellen Situation, die mit uns Verachtung und Ohnmacht erträgt, die sich dem Bösen preisgibt, um es zu besiegen, die im Tod das Tor zum Leben öffnet. Lasst uns unser tägliches Kreuz auf uns nehmen und Christus nachfolgen.

Lied: 365

Fürbitten

Gott, der allmächtige Vater, hat seinen Sohn zu unserem Heil durch das

Kreuz über alle erhöht. Den am Kreuz erhöhten Herrn bitten wir: Christus Sieger, Christus König, Christus, Herr, erhöre uns.

  • Dein Kreuz ist das Siegeszeichen über den Tod. Stärke alle Menschen, denen ein schweres Kreuz auferlegt wurde, in der Hoffnung, dass die Kraft des Kreuzes ihr Leid überwindet.
  • Dein Kreuz ist die Brücke, die Menschen verbindet. Ermutige die Menschen, Brücken zueinander zu bauen und durch die Kraft des Kreuzes Hass und Ablehnung zu überwinden.
  • Dein Kreuz ist Kraft und Stärke. Gib allen, die Angst vor den Herausforderungen des Lebens haben und sich fürchten, durch die Kraft des Kreuzes neuen Lebensmut.
  • Wir beten für alle, die mit dem Coronavirus kämpfen ... als Patient, als Arzt, als Pflegende.
  • Wir beten für alle, die durch die Coronakrise in Not kommen, weil ihre Arbeit gefährdet ist, ihr Betrieb kein Geld verdient und ihre Familie viele Lasten tragen muss.
  • Wir beten für alle, die am Coronavirus gestorben sind und für alle, um die wir heute trauern.

Im Kreuz ist Hoffnung, im Kreuz ist Heil. Dich, Herr, loben und preisen wir in Ewigkeit.


Impuls 7


Impuls 6

"Mein Altar wird das Bett der Kranken."

So sagt Alberto Debbi (italienischer Priester und Arzt, der wegen der Corona-Krise sein geistliches Amt ruhen lässt und in einem Krankenhaus arbeitet, in KNA) in Christ in der Gegenwart vom 29.3.20, S. 135.

Wo ist das 'Bett der Kranken', an dem ich stehe?

Die eine begleitet Bewohner und Bewohnerinnen im Altenheim und erlebt, dass die Vereinsamung der Menschen z.T. ihre geistige Anteilnahme rapide verschlechtert. Die Angehörigen dürfen nicht mehr den 90. Geburtstag der Mutter, Großmutter, Urgroßmutter feiern. 

Schmerz und Dank auf beiden Seiten.

Der andere kümmert sich um den Mitbewohner im Haus, der aufgrund seiner Vorerkrankung zur Risikogruppe gehört. Er hält den Kontakt, nur wenige Stufen entfernt, per WhatsApp. Er kauft für ihn ein, der direkte Kontakt wird vermieden, der Einkauf wird vor die Tür gestellt. 

Dankbarkeit und Freude auf beiden Seiten.

Da sind die Lehrer und Lehrerinnen, die seit zwei Wochen den Schülerinnen und Schülern einen strukturierten Arbeitsalltag ermöglichen. Sie halten Kontakt und tauschen sich mit ihnen von morgens bis abends über die digitalen Medien aus. Sie lernen ihre Schülerinnen und Schüler neu kennen. 
Freude und Dankbarkeit auf beiden Seiten. 

"Mein Altar wird das Bett der Kranken".

Viele Christen in Bonn sind von der aktuellen Situation zutiefst betroffen;
sie sind am Bett der Kranken.

Irmgard Hansen
…für die Equipe Marien



Gegenwart statt Zukunft

Im Alltag erleben wir die Zeit häufig als eine Linie, gefüllt durch unsere Pläne, Vorstellungen und Erinnerungen. Wenn die Zeit eine Linie ist, so ist die Gegenwart nichts anderes als ein Punkt, der ausdehnungslose Übergang zwischen Vergangenem und Zukünftigem. So springen wir von einer Gegenwart zur Nächsten, indem wir unsere Termine abarbeiten. Im Punkt selbst gibt es wenig Platz für uns.


Die Corona-Krise gibt uns nun die Chance, unseren Umgang mit Zeit zu verändern. Viele Pläne müssen aufgegeben werden. Wir sind uns der radikalen Ungewissheit und Offenheit der Zukunft wieder bewusst. Mit diesem Bewusstsein gewinnen wir auch einen anderen Zugang zur Gegenwart. Wenn die Zukunft offen ist, so ist die Gegenwart kein Punkt mehr, sondern ein Raum. Wir können nun üben, in diesem Raum der Gegenwart zu verweilen, indem wir uns selber gegenwärtig werden: Auf unseren Atem, unsere körperliche Präsenz und inneren Zustand schauen.

Marcello Garibbo



Impuls 5
Impuls 4

Urbi et Orbi

Prof. Fabry, emeritierter Alttestamentler der Katholisch-Theologischen Fakultät der Bonner Universität, hat die Ansprache des Papstes zum Segen "Urbi et Orbi" angesichts der Pandemie am 26. März 2020 zusammengefasst:

Vorgelesen wurde das Evangelium „Jesus stillt den Sturm auf dem See“ (Mk 4,35-41).

„»Am Abend dieses Tages« (Mk 4.35). So beginnt das eben gehörte Evangelium. Seit Wochen scheint es, als sei es Abend geworden. Tiefe Finsternis hat sich auf unsere Plätze, Straßen und Städte gelegt; sie hat sich unseres Lebens bemächtigt und alles mit einer ohrenbetäubenden Stille und einer trostlosen Leere erfüllt, die alles im Vorbeigehen lähmt: Es liegt in der Luft, man bemerkt es an den Gesten, die Blicke sagen es. Wir sind verängstigt und fühlen uns verloren. Wie die Jünger des Evangeliums wurden wir von einem unerwarteten heftigen Sturm überrascht. Uns wurde klar, dass wir alle im selben Boot sitzen, alle schwach und orientierungslos sind, aber zugleich wichtig und notwendig, denn alle sind wir dazu aufgerufen, gemeinsam zu rudern, alle müssen wir uns gegenseitig beistehen. Auf diesem Boot ... befinden wir uns alle. Wie die Jünger, die wie aus einem Munde angsterfüllt rufen: »Wir gehen zugrunde« (vgl. V. 38), so haben auch wir erkannt, dass wir nicht jeder für sich, sondern nur gemeinsam vorankommen. …

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Herr, dein Wort heute Abend trifft und betrifft uns alle. In unserer Welt, die du noch mehr liebst als wir, sind wir mit voller Geschwindigkeit weitergerast und hatten dabei das Gefühl, stark zu sein und alles zu vermögen. In unserer Gewinnsucht haben wir uns ganz von den materiellen Dingen in Anspruch nehmen lassen und von der Eile betäuben lassen. Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden. Jetzt, auf dem stürmischen Meer, bitten wir dich: „Wach auf, Herr!“ …

»Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?« Liebe Brüder und Schwestern, von diesem Ort aus, der vom felsenfesten Glauben Petri erzählt, möchte ich heute Abend euch alle dem Herrn anvertrauen und die Muttergottes um ihre Fürsprache bitten, die das Heil ihres Volkes und der Meerstern auf stürmischer See ist. Von diesen Kolonnaden aus, die Rom und die Welt umarmen, komme der Segen Gottes wie eine tröstende Umarmung auf euch herab.

Herr, segne die Welt, schenke Gesundheit den Körpern und den Herzen Trost. Du möchtest, dass wir keine Angst haben; doch unser Glaube ist schwach und wir fürchten uns. Du aber, Herr, überlass uns nicht den Stürmen. Sag zu uns noch einmal: »Fürchtet euch nicht« (Mt 28,5). Und wir werfen zusammen mit Petrus „alle unsere Sorge auf dich, denn du kümmerst dich um uns“ (vgl. 1 Petr 5,7).

(Zusammenfassung: Prof. Dr. Heinz-Josef Fabry, Bonn)

Irmgard Hansen
…für die Equipe Marien



Homeoffice

Home Office. Remote. Auf Distanz.

Erreichbar auf allen Kanälen, jederzeit und sofort.

 

Ich bin der ich bin da.  

2020



Impuls 3
Impuls 2

Händewaschen nicht vergessen!

Von Beginn der Ausbreitung des Corona-Virus an lautete die Devise ‚Händewaschen’; nicht unbedingt desinfizieren, was angesichts des schnellen Ausverkaufs von Desinfektionsmittel auch nicht möglich gewesen wäre, sondern Hände waschen.

Die Wiener Religionspädagogin Dr. Viera Pirker verbreitete vor einiger Zeit via Twitter ein mit Hilfe der Plattform washyourlyrics.com gestaltetes Plakat zum richtigen Händewaschen ... und unterlegte es mit dem ersten Gebet der Christen, dem Vater unser.

gestaltet von Dr. Viera Pirker, Wien

Hände, die loben, die teilen, die bitten. Ein Vater unser beim Händewaschen – Hand- und Herzhygiene in sozial distanzierender Zeit.

Waschet und betet!

Dominik Arenz, Equipe St. Marien



... nicht abgesagt.

Covid-19 stellt uns vor nicht geahnte Herausforderungen; unser alltägliches Leben ist eingeschränkt, ‚Social distancing’ das Gebot der Stunde, aber...

Kunstwerk und Text: Ralf Knoblauch 
Photo: Gerd Große-Bley

Ergänzen Sie die „Liste“ des Bonner Künstlers und Diakons Ralf Knoblauch: Was sagen Sie nicht ab? ...

Dominik Arenz, Equipe St. Marien

Impuls 1