Orgeln St. Marien

Neben der Hauptorgel gibt es seit 2010 gibt es eine zweite Orgel in der Kirche, die 'Chororgel' vorne im rechten Seitenschiff. Sankt Marien ist aufgrund der beiden Orgeln und der großen Akustik mit 7-8 Sekunden Nachhallzeit sehr geeignet und beliebt fĂŒr Konzerte mit jeglicher Instrumentierung.

Die Hauptorgel

Im Jahre 1897 erhielt die gerade neugebaute Marienkirche ihre Orgel aus der Orgelmanufaktur Johannes Klais aus Bonn. Das pneumatisch angesteuerte Instrument besaß 26 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal. In ihrer 118-jĂ€hrigen Geschichte hat das Instrument einige Änderungen erfahren.

Die Orgel trĂ€gt die Opusnummer 103 und wurde ganz dem Zeitgeschmack entsprechend hochromantisch disponiert. Das reich verzierte, im neo-gotischen Stil erbaute GehĂ€use war zweigeteilt, um das große Westfenster nicht zu verdecken. Den Spieltisch, welcher mit einigen Neuerungen und Sonderfunktionen versehen war, platzierte man mittig auf der Empore mit Blick auf den Altar. Das Werk wurde am 19. MĂ€rz 1897 eingeweiht und von zwei anwesenden OrgelsachverstĂ€ndigen fĂŒr "vorzĂŒglich" befunden.

Schon 1908 erfuhr das Instrument einen ersten tiefgreifenden Umbau, da der Kirchenchor so groß geworden war, dass er auf der Empore keinen Platz mehr fand. Daher vertauschte man die beiden OrgelgehĂ€use und verschob sie um 90 Grad gedreht in den Turm. Da der Spieltisch nicht zuverlĂ€ssig arbeitete, wurde er durch einen neuen ersetzt, welcher nun seitlich platziert wurde.

Bei einem weiteren Umbau 1961 wurde erneut erheblich in die Substanz der Orgel eingegriffen. Das bis dahin pneumatisch angesteuerte Orgelwerk wurde elektrifiziert, ein neuer Spieltisch geliefert und die Disposition im Sinne der Orgelbewegung verÀndert und "aufgehellt". Dabei verschwanden die meisten 8'-Register und wurden durch hochliegende Flöten und Mixturen ersetzt. 


Die Chororgel

Die 1896 erbaute Chororgel der Marienkirche erweckt den Eindruck, als hÀtte sie schon immer im rechten Seitenschiff gestanden. In Wahrheit kam sie erst im Jahre 2010 als Dauerleihgabe der Firma Klais nach Sankt Marien und ist sowohl liturgisch als auch optisch nicht mehr wegzudenken.

Das Instrument mit der Opus-Nummer 78 ist die Ă€lteste intakte pneumatische Orgel von Johannes Klais und wurde ursprĂŒnglich fĂŒr die Schlosskapelle Liebig in Kobern-Gondorf erbaut. Dort spĂ€testens in den 1950er Jahren in einen Dornröschenschlaf gefallen und jahrzehntelang unter einer dicken Schicht aus Staub und Fledermauskot begraben, kam die Orgel 1992 zurĂŒck in die Werkstatt Klais und wartete dort auf eine neue Bestimmung. 

Nach einer grĂŒndlichen Restaurierung 2009/10 kam die Orgel dann dank einer großzĂŒgigen Spende von Siegfried Stutz in die Marienkirche, wo sie im rechten Seitenschiff ihren neuen Platz gefunden hat und sich nahtlos in die Architektur und Ausstattung der Kirche einfĂŒgt. Die Orgel besitzt auf einem Manual und Pedal verteilt fĂŒnf klingende Register und muss trotz ihrer geringen GrĂ¶ĂŸe zu den schönsten, wenn nicht der schönsten Orgel im Pfarrverband gezĂ€hlt werden. 

Sie eignet sich hervorragend zur Begleitung der Chöre in Sankt Marien und kommt darĂŒber hinaus bei Gottesdiensten zum Einsatz, die im Chorraum der Kirche gefeiert werden, so regelmĂ€ĂŸig beim Choral-Evensong am vierten Donnerstag eines Monats um 21:15 Uhr.