Neubesetzung des Ltd. Pfarrer an St. Petrus - Bericht des PGR

Schreiben an das Generalvikariat Köln vom 23.01.2019

Bericht des Pfarrgemeinderates zur Besetzung der Stelle eines leitenden Pfarrers im Seelsorgebereich St. Petrus, Bonn 

  1. Welche Informationen über die im Seelsorgebereich wohnenden Menschen sind wichtig zu wissen? (Wie sieht z.B. die Sozialstruktur aus?) 

- Bonn/Innere Nordstadt, 8.150 Katholiken, 3 Gemeinden, seit 2010 fusioniert

- städtisch geprägt, hohe Fluktuation, viele junge Familien, die aber nach einigen Jahren wegziehen; hoher Studentenanteil, erheblicher Anteil von (oft allein lebenden) Senioren, mindestens 6 Seniorenheime im Pfarrgebiet (Rosental, Elim, Haus St. Agnes, Augustinum, Nova Vita, Marienhaus),

- Mischung aus gut situiertem BĂĽrgertum, finanziell Schwachen (1.200 von Grundsicherung Lebende, Tendenz steigend), hoher Anteil mit Migrationshintergrund (32% in den letzten 10 Jahren) aus mindestens 12 Nationen, hoher Anteil von Muslimen (fĂĽnf Moscheen im Pfarrgebiet)

-  im Bonner Vergleich weit gespreizte Einkommenslage, mehrere soziale Brennpunkte, mehrere städtische und private Einrichtungen für benachteiligte soziale Gruppen und chronisch Kranke (Prälat Schleich-Haus, Lighthouse, Substitutionsambulanzen u.a.) 

  1. Wo liegen die pastoralen Schwerpunkte im Seelsorgebereich? Gibt es bereits ein Pastoralkonzept?

- „Eine Pfarrei mit drei Gemeinden“ – gekennzeichnet durch gemeindebezogene und pfarreiübergreifende Schwerpunkte mit sehr weitgehender und eigenverantwortlicher Mitarbeit der Gemeindemitglieder 

- Seit 2010 ist der Petrus-Weg das Pastoralkonzept von St. Petrus:

  • Der Petrus-Weg ist inspiriert vom Pastoralmodell in Poitiers
  • Kultur des Rufens und Vertrauens
  • Blick auf das Viertel - auf den Bedarf hören
  • Equipes als Gemeinden in der Nähe: werden berufen im Vertrauen auf die Gaben der einzelnen Mitglieder, vier Säulen (GrundvollzĂĽge) als Schwerpunkte (Gebet und Glauben feiern, Glaubenszeugnis und Glaubensvertiefung, Solidarität und Nächstenliebe, Begegnung und Gastfreundschaft), dazu ein Moderator
  • derzeit zwei Equipes aktiv: St. Marien und Stift (jeweils zweite Generation).

   Siehe auch die als Anlagen beigefügte PowerPoint-Präsentation „Der Petrus-Weg“ und den Flyer für den Berufungsprozess einer neuen Equipe. 

Im Ăśbrigen gibt es folgende pfarreiĂĽbergreifende pastorale Schwerpunkte:

- Erstkommunion (sehr stark von Ehrenamtlichen getragen)

- Firmung

- Wort-Gottes-Feiern

- Familienzentrum; 4 Kindertagesstätten

- Kirchenmusik:

  • zwei hauptamtliche Kirchenmusikstellen (100%A, 66%B)
  • breite Chorarbeit mit liturgisch-musikalischem Schwerpunkt als pastorale Arbeit
  • Spektrum umfasst Kinder- und Jugendchor, Erwachsenenchöre mit verschiedenen Ausprägungen wie z.B. Evensong)

- Geistliches Zentrum mit umfangreichem, zu einem groĂźen Teil ehrenamtlich getragenen Angebot (siehe Anlage)

- Öffentlichkeitsarbeit mit Website, Wochenzettel, „petrus info“, diversen Flyern und Pfarrbrief „Eckstein“ 2x jährlich

- Seniorenpastoral und Seniorentageseinrichtungen („SentaBlu“)

- Soziale Aktivitäten wie Willkommensgruppe, Besuchsdienste, soziale Projekte wie Weihnachtsfeier „gemeinsam statt einsam“, sehr häufig ökumenisch gestaltet

- Kirchbauverein St. Joseph Bonn-Castell e.V. (baulich und kulturell fĂĽr St. Joseph engagiert)

- Ă–kumenische FlĂĽchtlings- und Migrationsarbeit

- Kinder- und Jugendarbeit:

  • Pfadfinder/-innen
  • PetrusNetz (Angebot fĂĽr Familien zwecks Austausch u. Vernetzung)
  • Zusammenarbeit mit dem Jugendpastoralen Zentrum (Campanile, St. Franziskus)
  • Messdiener/-innen
  • Kinderliturgiekreise und Familienmessen
  • Sternsinger

- Gesprächskreise für junge Erwachsene/junge Eltern (Mitten im Leben, Glauben und Leben)

- Taufpastoral unter Einbeziehung Ehrenamtlicher

- Offene Sprechstunden an 4 verschiedenen Gemeindeorten

- Dialograum St. Helena (mit ĂĽber 120 Veranstaltungen im Jahr, komplett ehrenamtlich)

- Ă–kumene:

  • gemeinsame liturgische Elemente und Gottesdienste auch an Hochfesten (Osterfeuer, Fronleichnamsprozession, )
  • Charta Oecumenica gemeinsam leben
  • weitere Aktivitäten wie regelmäßige gemeinsame Sitzungen von PGR, KV, Equipes und Presbyterium, monatl. ökumenische Stadtteilvesper

- Partnergemeinden Mushubi und Bishyiga/Ruanda

- Interreligiöser Dialog („MuChri“ = Muslime und Christen im Bonner Norden)

- (zusammen mit KV) Wahrnehmung der Interessen der Pfarrei gegenĂĽber der Stadt Bonn und lokalen Einrichtungen in Belangen des Stadtviertels

Zu den Gruppen & Kreisen in St. Petrus siehe den als Anlage beigefügten „petrus info“. 

  1. Wie ist die Zusammenarbeit im Seelsorgebereich zwischen den verschiedenen Diensten und Gremien strukturiert? Sind diese Zuständigkeiten in einem Schema festgehalten?

Die Aufgabenverteilung auf dem Petrusweg ist von Vertrauen und einer Kultur des Miteinander geprägt. Der Pfarrer leistet seinen Dienst an der Gemeinde, indem er integriert, moderiert und begleitet. Er hilft dabei, dass die verschiedenen Charismen in der Gemeinde zur Entfaltung kommen, ohne sich gegenseitig zu behindern und zu blockieren. Dies gilt insbesondere für die Equipes.

Diese Aufgabe füllt nicht er alleine aus, sondern das gesamte Pastoralteam, welches selbst von verschiedenen Charismen geprägt ist. Befähigung von Menschen für die aktive Gestaltung des Gemeindelebens ist die herausgehobene Aufgabe der Hauptamtlichen. Das Pastoralteam vernetzt die unterschiedlichen Charismen von Menschen mit bestehenden liturgischen und pastoralen Angeboten und/oder fördert neue Wege, damit die Botschaft Jesu Christi erfahrbar wird. Die Leitungsaufgabe steht nicht mehr im Fokus des Pfarrers. Sie wird vertrauensvoll delegiert – an diejenigen, die Leitungsfunktionen in ihrem Bereich ausfüllen. Dies sind Equipes genauso wie KV, PGR und Gruppierungen in der Pfarrei.

Die Equipes bilden Ankerpunkte für Gemeinde vor Ort. Sie sind daher in ihrer Eigenorganisation und ihrer Ausprägung der vier Säulen frei. Das Pastoralteam begleitet sie während ihrer dreijährigen Amtszeit.

Die Pfarrei als Ganzes hat der Pfarrgemeinderat (PGR) im Blick. Zusammen mit den ModeratorInnen der Equipes und dem Pastoralteam als berufene bzw. geborene Mitglieder ist der PGR die zentrale Informationsdrehscheibe und Ort der Vernetzung. Alle Belange des pastoralen Lebens der Pfarrei werden hier erörtert und Beschlüsse gefasst – wobei diese Beschlüsse die Freiheit der Equipes bei der Gestaltung ihrer Arbeit nicht einengen. Im Fokus des PGR sind insbesondere die Querschnittsaufgaben, die als gemeindeübergreifende Themen nicht von den Equipes abgedeckt werden, sowie die Förderung und Entwicklung des Petrus-Weges. In Bezug auf die diversen Gruppen & Kreise in St. Petrus stehen schließlich Mitglieder des PGR als konkrete Ansprechpartner zur Verfügung.

Ansonsten gilt: „Als Gemeindemitglied muss ich nicht unbedingt wissen, an wen genau ich mich zu wenden habe – alle Mitglieder in den o.g. Gremien sorgen über die Informationsdrehscheibe PGR dafür, dass Anliegen die richtige Person erreichen.“

  • Was ist Ihrer Meinung nach bei der Ernennung des neuen leitenden Pfarrers zu beachten?

  • Der Pfarrer muss aus Sicht der Gemeinde …
  • - die gewachsene Strukturen und Verantwortungen der letzten 12 Jahre annehmen und weiter entwickeln;
  • - offen fĂĽr die Vielfalt christlichen und sonstigen menschenfreundlichen Engagements in unserem Pfarreigebiet sein;
  • - kommunikativ, partizipativ und kooperativ sein;
  • - Verantwortung bei den haupt- und ehrenamtliche Laien belassen oder dorthin abgeben, um fĂĽr seine pastoralen Schwerpunktaufgaben frei zu bleiben;
  • - die gewachsene Verbindung zur ev. Lukasgemeinde weiter vertiefen und hinter den o.g. gemeinsamen Aktivitäten stehen;
  • - bereit sein, pastorale Entscheidungen gemeinsam mit dem Pfarrgemeinderat zu treffen und demokratische Entscheidungen des PGR und des KV zu akzeptieren;
  • Der Pfarrer sollte nicht …
  • - sich als den wesentlichen Entscheidungsträger in der Pfarrei empfinden;
  • - nach dem Prinzip „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ agieren;
  • - vorrangig eine innergemeindliche Blickrichtung haben, sondern immer auch die Ränder im Auge haben;
  • - sich als Manager der Pfarrei verstehen, sondern die Seelsorge in den Mittelpunkt seines Wirkens stellen.  
  1. Was sollte der neue leitende Pfarrer aus Ihrer Sicht bei gegenwärtig und zukünftig zu gestaltenden Projekten, Themen und wichtigen Aufgaben berücksichtigen? 
  • - -die unterschiedlichen Profile der drei Gemeinden
  • - die selbständige Wahrnehmung von Aktivitäten und Gruppen durch haupt- und ehrenamtliche Laien
  • - die enge ökumenische Verbindung mit der Lukasgemeinde und das Bestreben, neue Projekte immer auch unter dem Blickwinkel anzugehen „Könnte man das nicht ökumenisch machen?“  
  1. Welche zusätzlichen Informationen sind noch relevant? 
  1. Die pastorale Arbeit in St. Petrus ist, wie aus den obigen Ausführungen deutlich geworden sein dürfte, unter der Leitung von Pfarrer Adolf und anschließend von Pfarrer Blanke durch einen auf Mitverantwortung und Partizipation angelegten Leitungsstil geprägt. Damit wurde dem Bild des gemeinsamen Priestertums aller Getauften Rechnung getragen. Auf diesem Selbstverständnis beruht das große Engagement der hauptamtlichen sowie zahlreicher junger wie älterer ehrenamtlicher Laien in unseren Gemeinden. Die Berufung des Nachfolgers auf der Stelle des Leitenden Pfarrers von St. Petrus muss hierauf ein besonderes Augenmerk richten, will sie nicht die lebendige und immer wieder neue Menschen im Viertel anziehende und motivierende Atmosphäre unserer Pfarrei gefährden. Der Leitungsstil des neuen Leitenden Pfarrers sollte deshalb – bei aller Freiheit in den inhaltlichen Akzenten seiner Arbeit – wie bei den Vorgängern vom Prinzip der Mitverantwortung und Partizipation der Laien gekennzeichnet sein. Dies sieht der Pfarrgemeinderat als unverzichtbar für die zu besetzende Stelle an.

Im Bezug auf die Pfarrgemeindeleitung durch einen leitenden Pfarrer haben wir zudem den Vorschlag, diesen befristet, also für einen bestimmten festgelegten Zeitraum (5-6 Jahre), mit der Leitung der Pfarrei zu betrauen. Grundlage dieser Überlegung ist, nach Information von Weihbischof Puff, can. 517 CIC, wonach eine derartige Befristung möglich ist. Dadurch könnte eine Gleichzeitigkeit für die Neuordnung des Bonner Pastoralraums ermöglicht werden, so dass die Pfarrerstellen gleichzeitig und nicht nacheinander frei werden.

Die grundsätzliche Möglichkeit, ob sich die Pfarrgemeinde auch ohne leitenden Pfarrer selber leiten kann, ist ebenfalls ernsthaft zu erwägen. Mit Blick auf die Zukunft von Gemeinde erweist sich diese Vision mehr als begründet. Im konkreten Fall soll diese Vision zur praktischen Realität werden, wenn sich auf die Ausschreibung kein Pfarrer finden sollte, der diese Pfarrei leiten wird oder für die Pfarrei geeignet erscheint.

Eine Pfarreileitung durch die Pfarrgemeinde wird als positive, konkret ernstzunehmende wie auch als innovative Lösung des seit 2013 gegangenen Petrus-Weges gesehen, der sich an dem Gemeindeleben und der Gemeindeentwicklung in Poitiers orientiert. Ein gewähltes Team aus den verschiedenen Gremien, Equipes und Gruppen steht der Pfarrgemeinde mit Rat und Tat und organisatorischem Engagement zur Seite. Gemeinde wächst zusammen und mit ihr das Leben mit und in Jesus Christus. Die sakramentale Seelsorge wird u.a. durch Pfarrvikare gewährleistet sein. Ein Pfarrverweser bzw. -verwalter nimmt die juristische Pfarrgemeindeleitung war.

  • Dies ist ein herausforderndes Experiment, das aber Weichen fĂĽr die Gemeinden der Zukunft stellen kann. Wir sind bereit fĂĽr diesen Weg.

Anlagen